Ein kaltes Nahwärmenetz verteilt Wärme auf niedrigem Temperaturniveau an mehrere Gebäude. In jedem Haus bringt eine eigene Wärmepumpe sie auf Heiztemperatur. Als Quelle dienen Erdwärmesonden, Kollektoren oder Grundwasser. Im Sommer kann dasselbe Netz kühlen.
So funktioniert kalte Nahwärme
Eine gemeinsame Wärmequelle speist ein Leitungsnetz. Die Flüssigkeit im Netz ist kühl. Deshalb geht unterwegs kaum Wärme verloren, und die Leitungen können sogar selbst Wärme aus dem Boden aufnehmen. Jedes Gebäude hat eine eigene Wärmepumpe, die Heizung und Warmwasser bereitstellt.
Ein Vorteil für die Planung: Die Quelle muss nicht dort liegen, wo die Wärme gebraucht wird.
Beispiel Vöhringen: Grundwasser für 38 Gebäude
Im Baugebiet „Kranichstraße Ost“ wird Grundwasser mit bis zu 50 Kubikmetern je Stunde entnommen, um 3 bis 6 Kelvin abgekühlt und über einen Schluckbrunnen wieder versickert. Das Netz ist rund 1.000 Meter lang. Wärmetauscher und Grundwasserpumpe sind doppelt vorhanden, damit die Versorgung sicher bleibt.
Beispiel Bamberg: Lagarde-Campus
Auf dem früheren Kasernengelände lieferten beim Besuch des Forums im Mai 2023 zunächst 55 Erdsonden Wärme aus 120 Meter Tiefe. Dazu kamen Kollektoren auf rund 20.000 Quadratmetern und rund 70 Wärmepumpen in den Kellern der Neubauten. Nach Angaben des Bundesverbands Geothermie vom September 2026 umfasst das Feld inzwischen 114 Erdwärmesonden. Es soll jährlich bis zu 10 Gigawattstunden Wärme für rund 1.200 Wohnungen und Gewerbeeinheiten liefern und gilt als Deutschlands größtes innerstädtisches Geothermiefeld.
Beispiel Marktheidenfeld: Sonden und Luft kombiniert
Auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei entstehen 83 Doppel- und Reihenhäuser. Das Sondenfeld umfasst 4.900 Bohrmeter mit 140 Meter tiefen Sonden. In den Übergangs- und Sommermonaten dient zusätzlich die Luft als Wärmequelle. Das schont das Sondenfeld, das sich in dieser Zeit erholen kann.
Beispiel Bad Nauheim: Kollektor unter dem Acker
Unter einer landwirtschaftlich genutzten Fläche liegt ein zweilagiger Großkollektor mit je 11.000 Quadratmetern. Er versorgt über ein 6 Kilometer langes Netz rund 180 Wohngebäude. Die Quellwärme von etwa 2,3 Gigawattstunden im Jahr kommt je zur Hälfte aus dem Kollektor und aus dem Netz selbst.
Rolle in der kommunalen Wärmeplanung
Eine Analyse der TU München hält kalte Nahwärmenetze für gut geeignet, um Quartiere und Wohnblöcke mit erneuerbarer Wärme zu versorgen. Kommunen finden im Energie-Atlas Bayern eine erste Einschätzung des Potenzials am Standort.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen kalter Nahwärme und Fernwärme?
Fernwärme liefert heißes Wasser, das direkt heizt. Kalte Nahwärme liefert Wärme auf niedrigem Temperaturniveau. Erst die Wärmepumpe im Haus hebt sie auf Heiztemperatur.
Wer betreibt ein kaltes Nahwärmenetz?
Das ist unterschiedlich. In Vöhringen liegt die kaufmännische Betriebsführung bei der Stadt. Die Wärmepumpen gehören den Gebäudebesitzern.
Quellen
- Kalte Nahwärme in Vöhringen, Sebastian Schäffler. In: Warm-up 2024, Seite 30. Im Magazin aufschlagen
- 5. Forum Erdwärme und Wärmepumpen in Bayern, Thomas Popp. In: Warm-up 2024, Seite 4. Im Magazin aufschlagen
- Bundesverband Geothermie: Einladung zur Pressefahrt „Wärmepumpe XXL“ nach Bamberg, 14. September 2026
- Projektbericht Alte Ziegelei Marktheidenfeld, Dr. Paul Fleuchaus. In: Warm-up 2025, Seite 19. Im Magazin aufschlagen
- Der Erdeisspeicher, Dr. David Bertermann. In: Warm-up 2025, Seite 32. Im Magazin aufschlagen
- Potenzial der oberflächennahen Geothermie, Dr. Kai Zosseder. In: Warm-up 2025, Seite 35. Im Magazin aufschlagen
Herausgeber des Warm-up Magazins ist die Erdwärme Gemeinschaft Bayern e.V. Zahlen zu einzelnen Projekten stammen aus den genannten Beiträgen.
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