Erdwärmesonden brauchen wenig Platz und setzen eine Bohrung voraus. Flächen- und Grabenkollektoren sind die Lösung für größere Grundstücke und kommen ohne Bohrung aus. Wo Grundwasser in geringer Tiefe ansteht, kann eine Brunnenanlage die Wärme liefern.
Erdwärmesonde: wenig Platz, große Tiefe
Bei einer Erdwärmesonde wird ein Rohrsystem senkrecht in ein Bohrloch eingebaut. Darin zirkuliert eine Wärmeträgerflüssigkeit, die dem Untergrund Wärme entzieht. Die Sonde braucht an der Oberfläche kaum Platz. Sie kann sogar unter einem Gebäude liegen, wie beim Hotelneubau in Passau mit 15 Sonden unter der Tiefgarage.
Wie tief gebohrt wird, hängt vom Untergrund und von der Genehmigung ab. Beispiele aus dem Warm-up Magazin:
- Schule in Hirschaid: Sonden mit 50 Meter Länge
- Mehrfamilienhaus in Bessenbach: 3 Bohrungen mit je 99 Meter
- Hotel in Passau und Lagarde-Campus Bamberg: 120 Meter
- Quartier „Alte Ziegelei“ in Marktheidenfeld: 140 Meter
Flächenkollektor: die Lösung für größere Grundstücke
Ein Flächenkollektor besteht aus Rohren, die in geringer Tiefe waagrecht im Boden liegen. Er kommt infrage, wenn das Grundstück groß genug ist und die Anlage wasserrechtlich zulässig ist.
Wichtig für die Planung:
- Feuchter Boden liefert mehr Wärme als trockener Sand.
- Die Fläche darf später nicht überbaut oder beschattet werden.
- Die Wärmequelle sollte nicht zu knapp ausgelegt werden, damit am Ende der Heizperiode Reserven bleiben.
Mehr dazu im Artikel Flächenkollektor planen und bauen.
Grabenkollektor: Wärme aus einem schmalen Graben
Beim Grabenkollektor liegen mehrere Rohre in einem Graben. Das spart Aushub. In einem Referenzobjekt in Opfenbach im Landkreis Lindau genügten 60 Meter Graben für durchschnittlich 6,1 kW Heizleistung. Das sind rund 100 Watt je Meter Graben. Grabarbeiten, Rohrverlegung, Anschluss und Druckprüfung waren an einem Arbeitstag erledigt.
Grundwasserbrunnen: wenn Wasser in geringer Tiefe ansteht
Bei einer Brunnenanlage wird Grundwasser gefördert, über einen Wärmetauscher abgekühlt und wieder versickert. In einem Mehrfamilienhaus in der Münchner Albrechtstraße versorgen zwei Entnahmebrunnen und ein Schluckbrunnen mit je 11 Meter Tiefe zwei Wärmepumpen für 21 Wohnungen.
Sonderformen für enge Grundstücke
Für dicht bebaute Gebiete gibt es weitere Lösungen. Erdwärmekörbe lassen sich zum Beispiel unter einem wasserdurchlässigen Parkplatz einbauen. Der Erdeisspeicher ordnet Kollektoren in mehreren Ebenen an und nutzt die Wärme, die beim Gefrieren der Bodenfeuchte frei wird. Laut einem Beitrag der FAU Erlangen-Nürnberg spart das bei gleicher Wärmemenge ein Viertel der Grubenoberfläche.
Die Systeme im Überblick
| System | Platzbedarf | Voraussetzung | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Erdwärmesonde | gering | Bohrung zulässig | Bessenbach, 3 × 99 m |
| Flächenkollektor | groß | unbebaute Fläche | Wohngebäude, Neubau und Bestand |
| Grabenkollektor | mittel | Platz für Graben | Opfenbach, 60 m Graben |
| Grundwasserbrunnen | gering | Grundwasser vorhanden | München, 3 Brunnen mit 11 m |
Häufige Fragen
Was ist besser, Erdwärmesonde oder Flächenkollektor?
Beide Systeme arbeiten zuverlässig. Die Sonde braucht wenig Fläche und passt auch auf kleine Grundstücke. Der Kollektor eignet sich für größere Grundstücke und kommt ohne Bohrung aus. Welches System passt, zeigt die Planung für den Standort.
Darf man einen Flächenkollektor überbauen?
Nein. Der Kollektor braucht Sonne und Regen, um sich zu regenerieren. Auf der Fläche dürfen keine Gebäude errichtet und keine Bäume gepflanzt werden.
Wie tief ist eine Erdwärmesonde?
Das hängt von Standort und Genehmigung ab. In den Projektberichten des Warm-up Magazins reichen die Sonden von 50 bis 140 Meter.
Quellen
- Flächenkollektoren zum Beheizen von Wohngebäuden, Thomas Popp. In: Warm-up 2026, Seite 36. Im Magazin aufschlagen
- Grabenkollektor in Opfenbach, Jansen AG. In: Warm-up 2021, Seite 5. Im Magazin aufschlagen
- Altes Haus wird klimafreundlich, Herbert Grab. In: Warm-up 2026, Seite 24. Im Magazin aufschlagen
- Der Erdeisspeicher, Dr. David Bertermann. In: Warm-up 2025, Seite 31. Im Magazin aufschlagen
- Potenzial der oberflächennahen Geothermie, Dr. Kai Zosseder. In: Warm-up 2025, Seite 35. Im Magazin aufschlagen
Herausgeber des Warm-up Magazins ist die Erdwärme Gemeinschaft Bayern e.V. Zahlen zu einzelnen Projekten stammen aus den genannten Beiträgen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Planung und keine Beratung für Ihr Vorhaben. Beiträge im Warm-up Magazin geben den Stand zum Zeitpunkt ihres Erscheinens und die Sicht der jeweiligen Autoren wieder. Förderungen, Normen und Vorgaben der Behörden ändern sich. Bitte prüfen Sie vor einer Entscheidung den aktuellen Stand mit einem Fachbetrieb und der zuständigen Behörde. Mehr dazu
